Analyse der Endzeitstimmung 2012 | Episteme Bruch und Selbstbildnis des Menschen

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Die Welt geht unter, mal wieder, und keiner kriegt’s mit! Wir nähern uns maya-kalendarisch der Endzeit, dem klimatischen Wechsel ins Ungewisse und dem globalen finanziellen Ruin. Selbst das Kino hat uns schon für dieses Jahr den Plattentechtonischen Kollaps prognostiziert. Zudem bestätigt uns Google das virulent kommunizierte Weltuntergangsszenario als vermehrt gesuchtes Wort. Doch warum gerade zu dieser Zeit? Liegt es an dem Unvermögen der Finanzwelt, dem unerfüllten Umweltschutz?

Vielmehr steht tatsächlich eine Zeitenwende an, die Menschen merken es und sie reden darüber. Eben nur nicht so, dass es direkt ausgesprochen wird. Vielmehr gibt es viele Anzeichen dafür, dass die Gesellschaft bereit oder nicht sich auf einer Schwelle befindet.

Daher folgend eine kurze subjektive diskursliche Analyse der derzeitig vorherrschenden Endzeitstimmung.

Die Logokalypse – eine Epistemische Schwelle

Diese Endzeitstimmung hat Merkmale einer längeren Liste von Vorfällen, die eine neue Richtung weisen. Gemäß dem Prinzip des Epistemes bei Foucault, denke ich, wird es bald ein neues Episteme geben. Episteme sind Zeitabschnitte, in den sich das Bild vom Menschen von sich selbst ändert. Eine solche Änderung war schon seit langem absehbar. Es endet nicht die Welt, sondern die Sicht des Menschen auf sich selbst.

Warum setzen sich die Menschen derzeit so viel mehr mit den Weltuntergang auseinander und warum beschäftigt sich die Kulturproduktion so hartnäckig mit dem Thema der Apokalypse?

Kunst und Kultur als Indikator für die Änderungen gesellschaftlicher Vorstellungen

Schon immer war es die Kunst, die die ersten Anzeichen einer gesellschaftlichen Veränderung darstellten. Wie die Imperien an den Enden zusammenbrechen (Vgl. Münkler Imperien: Die Logik der Weltherrschaft; U.A.), so sind es die gesellschaftlichen Grenzgebiete, die schon früh die Änderungen erfahren. Dies hat auch Foucault erkannt, der sich vor allem mit den gesellschaftlichem Abseits beschäftigte.

Das Abseits der Gesellschaft stellt vor allem auch die ärmenen Schichten oder Felder dar. Dort wo die meisten Kreativen geschichtet sind. Diese ersten Auswirkungen in den Grenzfeldern, beflügelte daher auch die künsterlischen, kreativen Menschen.

Kulturprodukte: Filme mit Zukunftsversionen | Dystupie

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Utopien, welcher Natur sie auch seien mögen, sind in den meisten Fällen Zukunftsutopien. Unter den Utopien unterscheidet man dipolar mit Utopie, einer positiven Vorstellung, und Dystupie oder Anti-utupie, welche eine negative Vorstellung darlegt.

In den letzten Jahren nahmen die Dystupien kulturell gesehen überhand. Als Beispiel betrachten wir die Unzahl neuer Kinofilme, die alle samt eine große Veränderung prognostizieren.

Der Film 2012 ist das offensichtlichste Beispiel. Der Film handelt von einem Untergang, den die Mayas bereits vorausgesagt haben. Hier wird die Erde in einem biblischen Ausmaß zerstört und dies auf Grund von meterelogischen Vorgängen.

Das Aufkommen von Zombiefilmen und den neulich in Amsterdam entwickelten, hochansteckenden Viren des Typs H1N5, das uns bereits mit der Vogelgrippe begegnete, offenbart eine dieser Verbindungen zwischen Kultur und Prognose. Das Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar und könnte sehr viele Menschen bei Freilassung töten. Die Vorstellung der Zombies basiert ebenfalls auf einem Virus und der Ansteckungsgefahr. Diese Gefahr wurde gleich mehrmals Wahrheit in den letzten Jahren.

Die Kreativität mag im Unterbewußt sein erstehen oder bewußt gewählt worden sein. Es gibt eine Vermischung von auch kleinen Nachrichten deren Anzahl die Kreativen Köpfe beflügelt. Mals entstehen positive Vorstellungen wie Star Trek, mal negative Vorstellungen wie Zombie- oder Untote Filme. Das Wissen um Viren und deren Verbreitung auf einer globalen Welt, ist dem Menschen so gewähr wie der Schrecken der Atombombe im Kalten Krieg.

Die Kreativen verwenden dieses Thema und ein Diskurs entsteht. Die Bevölkerung thematisiert das Thema und noch mehr Kreative beschäftigen sich mit dem Thema. So entsteht ein Verstärkungseffekt im Diskurs, eine quasi Eskalation des Diskurs, welcher dann als Hauptthema die Medien beschäftigt und einer Lösung verlangt.

Erst wenn die Medien den Diskurs aufgreifen vermehrfacht sich der Effekt und erreicht schließlich den letzten Winkel des Diskursfeldes. Ähnlich einem Schall der mehrfachreflektiert wird und dadurch immer lauter wird.

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Auch wenn die Werbung nicht unbedingt als Kulturelle Institution gewertet werden kann, sind es doch die Kreativen, die dort wirken. Auch in der TV-Werbung hat Axe das Thema aufgegriffen und verstärkt den Effekt noch mehr.

Nun ist das Ende der Welt kein Gegenstand eines solchen Diskurses. Aber, wie erwähnt, sind es vielerlei Indizien, die sich durch diesen Effekt in das Denken der Menschen einfügen.

Analysemittel zur Diskursanalyse | Google

Tenzend bei Google Insights: Die Wörter Apokalypse und Weltuntergang werden mit einem leichten Trend nach oben gesucht. Google Insights ist ein Internetprogramm, mit dem man das Suchvolumen bestimmter Suchbegriffe einsehen kann. Für Deutschland gibt es sogenannte Peaks die im September 2008. Während Apokalypse eher wenig Suchvolumen hat, verfügt Weltuntergang für ein höheres Potential.

Zum Beginn 2009 erhöht sich das Suchvolumen und gipfelt im November 2009. Anfang 2010 sinkt die Suchanfrage nach diesem Stichwort „Weltuntergang“ wieder zurück. Darauf folgen zwei ähnliche „Erruptionen“ die jeweils ein bisschen höher reichen. Jeweils im Frühjahr des Jahres.

Bis es sich zu einem Suchvolumen seit Dezember 2011, anhaltend bis jetzt steigert und inzwischen mehr als das doppelte Suchvolumen hat. Gesucht wird hierbei vor allem der Film 2012. Meines Erachtens ein Beispiel für den Verstärkungseffekt des Diskurses.

Eine weiter zurückliegende Analyse ist mit Google Insights nicht möglich, da die Daten erst kurz vor 2004 erfasst wurden.

Quelle Google Insights

Weitere Apokalyptische Indizien der Veränderung der Gesellschaft

Die Indizien zwischen Weltuntergang und kultureller Diskurs erhöhen die Aufmerksamkeit auf das Thema. Die Selbstbetrachtung des Menschen ist das verbindende Element. Mit der allmählichen Veränderung drängen immer mehr Katastrophen in den Fokus der Medien und damit der Bevölkerung.

Die Erwartung zur Änderung in der Bevölkerung machte sich in den letzten Jahren immer öfter bemerkbar. So gibt es inzwischen Siedlungen, die sich autark versorgen können und für das Ende der Welt gebaut wurden. Oder moderne Bunker, die ähnlich dem Kalten Krieg auf das Schlimmste vorbereitet sind.

Das Jahr 2000 stellte ebenfalls eine erwartete Veränderungshaltung der Menschen unserer Gesellschaft dar. Auch gewisse Vorfälle, wie die Katastrophe in Japan und im besonderen Fukushima begleiten die Veränderungshaltung der Menschen. Die Apokalypse wurde auch erwartet als im CERN Institut der Teilchenbeschleuniger gestartet wurde.

Doch was als eine Art von Funken gedeutet werden kann, ist die Finanzkrise. Alles deutet auf grundlegende Veränderungen hin, denn die selbst die Staatsformen sind nicht mehr gefeit gegen den finanziellen Ruin. Was helfen könnte ist ein Verbot des Handels mit Geld, ein Verbot das bereits im Christentum, als auch im Islam vorkommt: Der Zins und deren Derriate. Diesen Diskurs kann man sehr schön in der Zeitschrift Gazette verfolgen.

Bewegungen als Indikator | Richtung der Veränderung

Wohin die Reise gehen soll scheint offensichtlich. Die Änderung des Selbstbildes des Menschen in dieser Gesellschaft scheint wie so oft nach Links zu gehen. Die Ursprünge der Gesamtbewegungen erscheinen bereits durch die Kneipp Ideen im 19 Jahrhundert. Oder die Kleingärntner Strömung. Im 20. Jahrhundert kann man die Idee zur Veränderung des Selbstbildnis ebenfalls finden. Am bekanntesten ist wohl die Hippie Bewegung, die Öko Bewegung oder der derzeitige Trend nach Bioprodukten.

Könnte eine Spitze dieses neuen Bildes der Wandel vom instrumentellen Diskurs zum ganzheitlichen Diskurs sein? Die Form des Denkens bestimmt das Subjekt und seine Wahrnehmung. Schon Nietzsche, aber vor allem Adorno wiesen auf diese instrumentelle Vernunft hin. Diese Vernunftform beschreibt die Beziehung zu ihr: Instrumentell. Die Vernunft wird nur auf Rationalität gebaut und dient als Instrument, als Werkzeug.

Ist Gemeinsamkeit zwischen der Kultur mit den Endzeitfilmen und der intellektuellen Diskurs über das Ende des Geldhandels oder gar des Geldes?

Foucault gemäß stirbt das Episteme, der selbstbetrachtung der Welt. Eine neue Sicht auf sich selbst steht nun an, eine Entwicklung die von langer Hand abzusehen war. Die meisten Änderungsbewegungen zeigen in diese Richtung.

Auch die kommerzialisierung von Allem und Jeden, so auch bei dem derzeitigen Biotrend zeugt auch von einem alles ergreifenden Kommerz. Dies und dass der Mensch nicht mehr im Focus der Gesellschaft steht steht zur Disposition.

Der Artikel entstand in Kooperation mit Tobias Böckel.

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